Was einst zur Förderung von Zusammenarbeit und Qualität gedacht war, ist zu einem ungebremsten Regulierungssystem geworden: Europa produziert schneller Vorschriften, als die Bauwirtschaft mithalten kann. Wir alle verstehen die Absicht hinter den europäischen Vorschriften zu Sicherheit, Nachhaltigkeit und gleichen Wettbewerbsbedingungen, aber die praktische Umsetzung scheitert oft. “Die Anhäufung von Anforderungen, Zertifizierungen und administrativen Verpflichtungen bremst das, was sich eigentlich beschleunigen sollte: Innovation, Kreislaufwirtschaft und Tempo im Bauwesen”, sagt Albert Zegelaar von der VKG. “Während Fassadenbauer dringend gebraucht werden, um die großen Klima- und Bauherausforderungen zu bewältigen, ist derselbe Sektor in einer Mauer von Vorschriften gefangen.”
Ein offensichtliches Beispiel ist die CE-Kennzeichnung, mit der in Europa gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen und die Qualitätssicherung harmonisiert werden soll. “Ein schöner Gedanke”, sagt Zegelaar. “Aber wir in den Niederlanden arbeiten schon seit Jahrzehnten mit KOMO - einem System, das viel weiter geht und perfekt zu unserer Praxis passt.”
Dennoch muss für jeden einzelnen Rahmen eine CE-Erklärung (DOP) erstellt werden. “Das kostet Zeit, Geld und Verwaltung, während die Kunden nur selten danach fragen und es kaum durchgesetzt wird. Die Komplexität nimmt weiter zu, wenn Händler selbst Glas und Paneele von anderen Lieferanten hinzufügen: Sie gelten dann rechtlich als ”Hersteller‘. ’Ein Vater-Sohn-Unternehmen, das Fensterrahmen zusammenbaut, muss die gleichen Verpflichtungen erfüllen wie ein multinationaler Konzern mit einem Compliance-Beauftragten. Das ist nicht tragbar.“


Die Politik kollidiert auch mit der Praxis, wenn es um Kreislaufwirtschaft geht. Die Fassadenindustrie in den Niederlanden ist sogar Vorreiter: Bis 2030 will sie durchschnittlich 50% recyceltes PVC verwenden. Doch die europäische Gesetzgebung erschwert den Transport von expandierten Fensterrahmen, da sie offiziell als ‘Abfall’ gelten. “Dann muss man Genehmigungen beantragen, um im Kreislauf arbeiten zu können, während das Material oft noch nicht einmal die Grenze passiert hat. Das macht natürlich keinen Sinn”, so Zegelaar. Dank gemeinsamer Lobbyarbeit mit den europäischen Verbänden EPPA und Eurowindoor gilt nun eine Ausnahme bis 2033. “Aber eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Wenn Brüssel die Kreislaufwirtschaft wirklich fördern will, sollte es die Menschen, die sie betreiben, nicht behindern.”
Die Anhäufung von CE-Dokumenten, Abfallregistrierungen und sogar die Aufbewahrung von Transportbehältern als ‘Verpackungsmaterial’ führt zu einer ‘Nachhaltigkeitsmüdigkeit’, so Zegelaar. “Große Unternehmen setzen Leute ein, die sich darum kümmern. KMUs müssen es einfach nebenbei machen - in einem Markt, der ohnehin schon extrem beschäftigt ist. Dann verschwindet die Unterstützung, obwohl die Bereitschaft, nachhaltiger zu werden, vorhanden ist.”
Ein weiterer Engpass ist die Entfernung zwischen den europäischen Vorschriften und der nationalen Praxis. Während Brüssel einheitliche Richtlinien will, sind die Bedingungen von Land zu Land sehr unterschiedlich. “Was hierzulande gut funktioniert, kann in Deutschland anders ausfallen - von Südeuropa ganz zu schweigen”, sagt Zegelaar. “Aber wir werden alle in einen Topf geworfen.” Das Ergebnis: Anpassungen, die auf dem Papier gut aussehen, aber in der Umsetzung oft wenig zu besseren Gebäuden oder einer praktikablen Lösung beitragen.
Laut Zegelaar muss die Lösung nicht so kompliziert sein: neue Regeln auf ihre Machbarkeit prüfen und das nutzen, was bereits funktioniert. “KOMO ist ein ausgereiftes Qualitätssystem, das zusammen mit der Industrie entwickelt wurde. Warum sollte man das durch eine weitere Schicht wegdrücken?” Für Zegelaar ist klar: “Wir sind mit den Zielen einverstanden, aber nicht mit dem Weg dorthin. Geben Sie den nationalen Systemen und Spielregeln Raum - vor allem, wenn sie bereits ausreichend sind oder sogar darüber hinausgehen. Achten Sie auf Praktikabilität und Verhältnismäßigkeit und arbeiten Sie mit der Branche an weniger Papier und mehr Praxis - das wird den Fassadenbau besser machen.”
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